Eine Woche ist es nun her…
Vor einer Woche lebten die 21 Menschen, die nach Duisburg gekommen sind, um ein bisschen auf der Loveparade zu feiern, noch. Ich habe eine Weile überlegt, ob es passend ist, ob und wie ich hier darüber schreiben soll. Habe ich überhaupt ein Recht dazu? Ich war weder da, noch habe ich die regionale Nähe oder kenne einen der Betroffenen. Und ich glaube auch nicht, dass jemand, der nicht dort gewesen ist, sich so richtig vorstellen kann, wie das sein muss. Aber auf eine gewisse Weise sind wir wohl leider alle durch die Medien Zeuge des Geschehenen geworden.
Früher habe ich fast ausschließlich elektronische Musik wie Trance oder Techno gehört. Die Loveparade war für mich immer die Veranstaltung des Jahres. Später hat sich das gelegt, genau wie mein Interesse an Technogroßveranstaltungen, spätestens seit ich selbst für die Johanniter als Sanitäter bei der Time Warp in Mannheim im Einsatz war und die andere Seite der Medaille zu sehen bekam. Dennoch fühle ich mich den Menschen sehr nahe, nicht nur denen, die einfach nur feiern wollen und an nichts böses dachten, sondern auch den Hilfskräften. Und wenn man dann so eine Nachricht hört, wie die letzte Woche, dass es zahlreiche Tote und Verletzte gibt, und es vor allem unschuldige junge Menschen getroffen hat, dass noch viel mehr die ganze Tragödie mitansehen mussten und nicht helfen konnten auch wenn sie wollten, dann trifft mich das irgendwo ganz tief.
Ich habe zahlreiche Berichte gelesen von Leuten die da waren, wie z. B. Julias Loveparadeblog und natürlich die eine oder andere Doku im Fernsehen gesehen. Und ich habe Videos von Augenzeugen bei Youtube angesehen. Letzteres hätte ich vielleicht nicht tun sollen, denn allein diese Bilder zu sehen, hat mich wie auch sicher andere auf eine traumatisierende Weise getroffen und eigentlich sollten sie meiner Meinung nach lieber zensiert werden.
Es ist so schlimm, was da letzte Woche passiert ist, und es war so unnötig! Wenn ich mir heute die Kommentare zum Vorabbericht auf derwesten.de durchlese (man achte auf das Datum!), dann wird mir richtig schlecht. Wenn doch jeder Laie hätte ahnen können, dass so etwas passiert, warum wird es trotzdem gestattet? Warum werden Sondergenehmigungen entgegen Rechtsvorschriften erteilt – ja, wofür gibts diese Rechtsvorschriften denn dann? Wie kann man überhaupt eine Veranstaltung für über 1 Mio. Besucher auf einem Gelände, das für 250.000 ausgelegt ist in Betracht ziehen? Die Leute reisen von überall auf der Welt an und ihr wolltet die zu vielen einfach aussperren? Es fühlt sich an wie eine Mischung aus Wut und Mitgefühl. Wut auf diejenigen, die das ganze zu verantworten haben, weil sie die Schuld immer wieder abweisen und auf andere schieben. Wäre alles gut gegangen, wäre das sicher der Verdienst von jedem einzelnen von denen gewesen, deren Geldgier wahrscheinlich größer gewesen ist als der gesunde Menschenverstand. Wut auf einen Bürgermeister, der einfach nicht zurücktreten will, vielleicht weil er dann sämtliche Pensionsansprüche verliert. Vor allem aber Mitgefühl, für alle Hinterbliebenen, die sicher niemals mit sowas gerechnet hätten. Mit denen, die dort waren und körperliche, aber vor allem sicher seelische Schäden davon getragen haben. Wenn ich aus der Ferne und durch ein paar Youtube Videos schon so tief betroffen bin, wie muss es euch dann erst gehen? Die richtigen Worte fand meiner Meinung nach heute Hannelore Kraft, in ihrer tief bewegenden und emotionalen Rede auf der Trauerfeier, da kullern die Tränen einfach so aus mir raus. Es tut mir so leid und ich hoffe, ihr alle könnt das Schlimme verarbeiten und wieder nach vorne schauen.
Nach dieser Tragödie bleibt lediglich eine Frage vermutlich für immer offen: WARUM?






31. Jul 2010, 14:42 Uhr |










