Traum von Amsterdam

In den letzten Tagen blogge ich etwas weniger, dafür bin ich mehr aufm Fasching :party:
Das Faschingsfieber ist nämlich ausgebrochen und spätestens seit dem letzten Wochenende geht mir der Ohrwurm von Axel Fischer nicht mehr aus dem Kopf: Traum von Amsterdam! Wie ich feststellen musste, lohnt sich auch das Musikvideo, das mit wahrer Liebe und viel Realitätssinn überzeugt :grins:

Keine Sorge, außerhalb der Faschingszeit und dem Aprés Ski höre ich auch vernünftige Musik :-) Bis zum Aschermittwoch herrscht nun aber Ausnahmezustand und man findet mich vorzugsweise bei den Allfelder Weißköpf. Und wie siehts bei euch aus? Auch närrisch unterwegs? Als was und wohin geht ihr? Und welches ist euer Faschingslied 2010?

Buchempfehlung zweier schöner und trauriger Bücher

In den letzten 4 Wochen habe ich 2 Bücher gelesen, die es wirklich beide verdient haben, hier erwähnt und empfohlen zu werden. Beide habe ich an jeweils einem ruhigen Samstagmorgen angefangen und hatte sie innerhalb weniger Tage durch. Das erste hat mir Tobias zum Geburtstag von meiner Amazon-Wunschliste herunter zugesendet: “Hannahs Geschenk: Das Glück eines kurzen Lebens” von Maria Housden.

Hannah ist gerade 3 Jahre alt, als bei ihr Nierenkrebs festgestellt wird. Ihre Mutter beschreibt die Erinnerungen an diese Zeit einige Jahre später und bringt dem Leser Hannahs Art damit umzugehen nahe. Hannah ist ein wundervolles Beispiel dafür, was wir von Kindern lernen können. Das Buch berührt und lässt einen einfach nicht mehr los. Ich habe lachen und weinen müssen und trotz der Trostlosigkeit und der Tatsache, dass Hannah den Kampf gegen den Krebs nicht gewinnen konnte, gibt das Buch Mut und hilft dabei, manche Dinge anders zu betrachten, nämlich mit den Augen eines Kindes.

Das zweite Buch ist “Der Junge im gestreiften Pyjama” von John Boyne. Vielleicht kennt es der ein oder andere schon, denn als es 2006 veröffentlicht wurde, war es monatelang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Ich bin erst vor kurzem darauf aufmerksam geworden und muss sagen, dass ich völlig unvorbereitet auf den Inhalt war. Ich wusste nur, es geht um einen kleinen Jungen und den Holocaust. Aber diese Geschichte ist etwas ganz anderes, als die anderen von Zeitzeugen geschriebenen Biographien. Zudem handelt es sich noch um eine fiktive Geschichte und ich habe ich mich gefragt, ob man über dieses Thema überhaupt fiktiv schreiben darf. Aber ich gebe dem Schriftsteller recht – man darf. Der 9jährige Bruno ist noch recht naiv und unbedarft, als er nach Auschwitz kommt, aber nicht als Opfer, sondern als Sohn des Lagerkommandanten. Er versteht nicht, warum die Menschen hinterm Haus und auf der anderen Seite des Zaunes alle in gestreiften Pyjamas rumlaufen. Aber da er Forscher werden will, dauert es nicht lange, bis er sich heimlich zum Zaun aufmacht und eine Freundschaft mit einem gleichaltrigen Jungen auf der anderen Seite des Zaunes beginnt. Das Buch stellt den Jungen wie in vielen Rezessionen beschrieben wirklich zu naiv dar, als dass das alles so hätte passieren können. Aber wenn man den Realitätsanspruch erstmal abgelegt hat und Bruno stellvertretend für die Naivität von großen Teilen des deutschen Volkes sieht, dann ist es eine harte und schockierende Fabel zugleich, die nicht nur aufrüttelt sondern ebenfalls zum Nachdenken anregt oder um es mit den Worten des Autors zu beschreiben: “Wenn du dieses Buch zu lesen beginnst, wirst du früher oder später an einem Zaun ankommen. Zäune wie diese existieren überall.”

Ein richtiger Winter

Ich laufe die Straße entlang, bis es nicht mehr weiter zu gehen scheint. Da wo ich jetzt bin, war mal ein Weg. Das Laufen wird etwas mühsam, sinken doch bei jedem Schritt meine Füße 20cm in den Schnee. Ich höre fast nichts. Nichts außer einem weit entfernten Lachen einer Familie, beim Rodeln über die Feldwege. Alles ist so bedächtig und still, wie eingeschlafen. Ich bin in der Mitte zwischen zwei Dörfern, als mir die Kirchturmglocken aus beiden Richtungen die Uhrzeit sagen. Schon eine Stunde unterwegs? Die frische Luft tut so gut. Und ich stelle wieder fest, dass nichts drüber geht, auf dem Land zu leben.

Ich sehe ja ein, dass das Glatteis, die ewige Kälte und Frieren, Heizungsluft und der ständige Kampf gegens Krankwerden anstrengend sind. Aber ich freu mich trotzdem über diesen “richtigen” Winter. Und es bringt ja sowieso nix, darüber zu meckern. Also warum nicht lieber genießen?! Der Klimawandel wird uns schließlich früh genug wieder einholen.

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