Hallo Fußball-Deutschland!
Ich finde es ja schön, dass unser ganzes Land sich mal wieder zu einem Interessengebiet zusammenfasst und ihr gestern alle das Champions League Finale angucken musstet. Auf die Gefahr hin, dass ich mir nun einige Feinde machen werde, komme ich trotzdem nicht umhin, hier meine Meinung dazu kundzutun.
Ich gebe zu, ich hab mich 2006 auch von dem Sommermärchen mitreißen lassen und finde das Gemeinschaftsgefühl, das dadurch jeweils für 90 Minuten unter den Deutschen entstanden ist, echt toll. Es war Ausnahmezustand und alle waren ein Tick weniger missmutig und etwas freundlicher zueinander als sonst. Die schwarz-rot-goldene Fahne hat dabei für mich vielmehr die Zugehörigkeit zur Nationalmannschaft gezeigt, als den immer beschriebenen “Nationalstolz”. Denn wie kann ich auf etwas stolz sein, das ich nicht selbst vollbracht habe und über das ich andererseits so oft meckere, wie die Politik im eigenen Lande?
Außerhalb der EM- und WM-Zeiten interessiere ich mich jedoch so gar nicht für Fußball. Das ändert sich auch dann nicht, wenn der FC Bayern München im Finale der Campions League steht. Und wenn ich andere frage, bei denen das normalerweise auch so ist, warum sie sich gestern abend dann plötzlich damit auseinader setzen, dann war die häufigste Antwort die ich darauf bekam folgende: “Bayern repräsentiert da ja schließlich Deutschland in der internationalen Fußball-Welt.” Sorry, aber dem kann ich einfach nicht zustimmen. Repräsentierte Inter Mailand dann auch Italien? Die Mannschaft, in deren Aufstellung nicht ein einziger Italiener spielte? Bei Bayern München waren zumindest 5 der 11 aus dem Land, in dem die Stadt liegt, die der Fußballmannschaft ihren Namen gibt. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Ausländer, nichts gegen Fußball und auch nichts gegen Leute, die diesen verfolgen. Im Gegenteil, ich finde es toll, dass Menschen, die gute Leistungen erbringen, international anerkannt werden (um den finanziellen Wert lässt sich streiten, aber das liegt ja ohnehin im Auge des Betrachters). Und wenn sich jemand einfach nur gerne guten Fußball angucken will, dann ist das auch schön, denn ich vermute, dazu gibt es bei uns zahlreiche Möglichkeiten, welcher Sport wird auch sonst dermaßen bei uns gefördert?!
Alles, was ich daran zu bemängeln habe, ist die Tatsache dass unsere Bundesliga einfach nur noch zur Managersache geworden ist. Das würde mich ja nicht mal stören, wenn sich die Mannschaften Fantasienamen geben würden oder wenn der jeweilige Sponsor seinen Namen darin finden würde, z. B. Dietmar Hopp Mannschaft oder Red Bull Team (siehe Stern). Irgendwie sollte das, was einen Mannschaftssport ausmacht auch noch erhalten bleiben und nicht nur darauf zurückzuführen sein, wer die meisten finanziellen Mittel zur Verfügung hat. Und an alle Firmenchefs – wenn ihr schon mal dabei seid zu fördern und zu sponsoren, wie wäre es dann mal mit anderen Sportarten? Da gibt es so viele, deren Nachwuchs sich nur durch Mama und Papas Geldbeutel einen Namen machen kann, wie z. B. im Motorsport oder den alpinen Sportarten, deren Ausrüstung sich nicht jeder leisten kann. Das soll jedoch nur ein kleines Plädoyer dafür sein, die Augen auch für andere schöne Dinge offen zu halten, anstatt sich auf ein Hobby einzufahren.
Und bis dahin laufe ich gerne weiter durch die Fußgängerzonge vorbei an all den Public Viewing Leinwänden und interessiere mich nicht plötzlich für etwas, für das ich es auch sonst nicht getan habe. Aber ich bin ja auch nur eine Frau, die von Fußball keine Ahnung hat.
(Foto via Flickr von LordKhan)






23. Mai 2010, 17:17 Uhr |


Also allzu viel habe ich nach Zahlung der Standgebühr jedenfalls wirklich nicht eingenommen.







